Freie Liebe und andere Geschichten

 

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Autor: Ali Smith
Verlag: btb
Preis: 9,99 €
Erscheinungsdatum: 13.03.2017
Seitenanzahl: 159 Seiten

 

BEWERTUNG: ♥♥♥/5

 

Klappentext

Ein Mädchen entdeckt im Rotlichtviertel von Amsterdam ganz unerwartet das berauschende Gefühl sexueller Freiheit. Eine Kinokartenabreißerin träumt sich aus ihrem Leben heraus und in die unbegrenzten Möglichkeiten der Filme hinein. Ein Fotograf besucht seine alte schottische Heimat und lernt von einer Neunjährigen, auf Dächer zu klettern und Steine übers Wasser springen zu lassen … Unbändige Lebenslust spricht aus den Erzählungen der schottischen Autorin Ali Smith, die Freude an der Entdeckung der Welt, die Begeisterung über Worte und ihre Kraft, der Rausch des Aufbruchs und der erwachenden Sehnsucht, das unglaubliche Glücksgefühl, Liebe zu finden. Und wie gut es ist, eine Frau zu sein.

Die schottische Autorin Ali Smith hat hier eine kleine Sammlung an Kurzgeschichten zusammengestellt. Sie hat bereits mehrere Bücher geschrieben und zahlreiche Preise gewonnen.

Und genau das merkt man an ihrem Schreibstil. Dieser ist sehr sicher und angenehm zu lesen. Es wird nicht groß umschrieben, was ich als sehr angenehm empfand.

Die Gestaltung des Romans finde ich sehr schön. Ein Band aus zwölf Kurzgeschichten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Dieses Buch kann man in Häppchen genießen, was man auch definitiv tun sollte. Die Geschichten haben Tiefe und regen zum Nachdenken an. Das Cover jedoch empfand ich als irreführend. Bekommt man doch den Eindruck, dass es sich hierbei um eine lockere, leichte Sommerlektüre handelt. Tatsächlich habe ich nicht all zu oft das Gefühl gehabt, dass es Parallelen zu der Jahreszeit gab. Auch den gelben Buchrücken empfinde ich als zu viel des Guten.

Spannung ist in diesen kleinen Geschichten nicht zu finden, was aber völlig ok ist, denn die Geschichten sind so kurz gehalten, dass es gar nicht langweilig werden kann.

Hat dieses Buch eine Botschaft? Ich denke eher nicht. Aber nicht alles, was gut ist, braucht  unbedingt eine Botschaft.  

 

Mein Fazit zu diesem kleinen, schmalen Büchlein ist simpel und knapp, wie das Buch. Mögt ihr Kurzgeschichten, die über alltägliches handelt und doch besonders gestalten werden, lest es. Erwartet ihr große Gefühle oder viel Spannung, lasst es lieber sein.

Ich wollte nur, dass du noch weißt…

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Autor: Emily Trunko
Verlag: LOEWE
Preis: 14,95 €
Erscheinungsdatum: 13.02.2017
Seitenanzahl: 192 Seiten

Bewertung: ♥♥♥/5

 

Inhalt

Auf diesen 192 Seiten findet man unzählige nie versendete Briefe anonymer Personen. Basierend auf einem Tumblr-Blog wurden hier einige der unzähligen Einsendungen zusammengefasst und in Buchform gebracht. Die Briefe sind unterteilt in zehn Themen.

  1. Liebes ich
  2. Liebe Welt
  3. Liebe
  4. Freunde
  5. Familie
  6. Herzschmerz
  7. Unerwiderte Liebe
  8. Verrat
  9. Verlust
  10. Danke

Jedes Kapitel ist herzerwärmend oder tief berührend. Dieses Buch ist so vielseitig, dass sich vermutlich jeder in diesen Seiten das eine oder andere Mal wiederfinden wird.

Die Autorin und Gründerin der Tumblrseite ist die 16-jährige Emily Trunko. Sie selber hatte unzählige Briefe, die nie abgeschickt wurden. Diese begann sie auf ihrer Seite zu posten. Als sie immer mehr Anfragen bekam, ob sie auch Briefe anderer postet, entschied sie sich dafür. Sie hatte einen Platz für unausgesprochene Worte geschaffen.

Über den Schreibstil dieses Buches kann man natürlich nicht viel sagen. Es sind ehrliche Worte, die von Herzen kommen. Manche Briefe bewegten mich durch ihren Schreibstil, andere wiederum durch die Emotionen, die hinter den simpelsten Worten steckten. Diese Briefe beweisen, dass man nicht immer poetisch schreiben muss, um Gefühle zu übermitteln.

Die Gestaltung kommt wirklich von Herzen und das merkt man auf jeder einzelnen Seite. Jeder Brief bekam eine passende Gestaltung und unterstützt die Worte mit Farbe und Zeichnung. An manchen Stellen empfand ich die Seiten jedoch als zu bunt und manchmal zu kindlich. Botschaften Erwachsener, oder auch ernste Themen hätten vielleicht etwas neutraler gestaltet werden können. Es nahm die Ernsthaftigkeit aus manchen Briefen, die es verdient hatten, ernst genommen zu werden.

Spannung findet man definitiv nicht auf die übliche Art in diesen Seiten. Dennoch kommt man nicht los von ihnen. Ich wollte mehr. Laß Seite um Seite und wollte nicht, dass es vorbei ist.

Ich weiß nicht, ob ich es eine Botschaft nennen möchte, was dieses Buch übermitteln will. Ich denke, es geht eher um den Raum, dem jedem Gefühl gegeben wird. Jeder hat die Chance ungesagte und unaussprechliche Worte einen Platz zu geben. Ich denke, jeder war schon einmal in der Situation etwas loswerden zu wollen, vielleicht sogar in die Welt zu tragen, ohne die Verbindung zu einem selber oder der betroffenen Person preiszugeben. Genau dafür hat Emily einen perfekten Ort erschaffen.

Mein Fazit zu diesem außergewöhnlichen Buch ist mehr als positiv. Ich möchte es nicht mehr missen, denn selten hatte ich ein Buch in den Händen, das so echt war. Es ist nichts Fiktionales, welches durch große Dramatik oder viel Herzschmerz berührt. Es ist eine angenehme Abwechslung, welche man gut in kleinen Häppchen genießen kann. Schwer tue ich mich letztlich nur, mit der Gestaltung, die ich an manchen Stellen etwas unpassend fand. Dennoch ist es absolut eine Kaufempfehlung 🙂

Heilige Kuh

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Autor: David Duchovny
Verlag: HEYNE
Preis: 9,99 €
Erscheinungsdatum: 11.07.2016
Seitenanzahl: 222 Seiten

Bewertung: ♥♥♥/5

 

Inhalt

Elsie hat uns etwas Wichtiges mitzuteilen.

Elsie ist eine junge Kuh, die auf einem amerikanischen Bauernhof glücklich und zufrieden vor sich hin lebt. Durch einen mehr oder weniger selbstgeschuldeten Zufall erfährt die junge Kuh jedoch, was mit den meisten Tieren auf dem Bauernhof passiert. Ihr wird klar, dass ihre Mutter sie nicht einfach verlassen hat, sondern ermordet wurde, um als Nahrungsmittel verkauft zu werden. Völlig entsetzt beginnt Elsie einen Ausweg zu suchen. Anstatt sich mit ihrer Situation abzufinden, beschließt sie zu fliehen. Sie will nach Indien, denn sie hat erfahren, dass dort Kühe heilig sind und wie Götter behandelt werden. Kurz bevor sie verschwinden will, wird sie von Shalom, einem jüdischen Schwein, aufgehalten. Auch er weiß, was ihm blüht, wenn er auf dem Hof bleibt. Elsie beschließt, ihn mitkommen zu lassen und ihm zu helfen, nach Israel zu kommen. Als dann auch noch Tom der Truthahn zu der Gruppe stößt, beginnt das Abendteuer der drei.

 

Aufmerksam auf das Buch wurde ich durch den Autoren. Als großer Akte X Fan und somit auch David Duchovny Verfallene, hatte ich das Buch kurz nach dem Erscheinungstermin auf Englisch gelesen. Und nun eben noch einmal auf Deutsch. Es war sein erstes Buch und umso mehr stieg die Neugierde, wie er sich als Autor machte.

Der Schreibstil ist nicht sehr poetisch oder anspruchsvoll. Das habe ich aber auch nicht erwartet. Dieses Buch hat eine Botschaft und möchte die auf witzige und ironische Weise vermitteln. Es geht nicht um Poesie oder ausgeklügelte Geschehnisse. Es geht nicht um das Wie, sondern um das Was.

Die Junge Kuh Elsie ist die Hauptprotagonistin. Sie hat ein lockeres Mundwerk und sagt, was sie denkt. Sie besitzt einen oft überzogenen Wortwitz in der Übersetzung. In der englischen Ausgabe harmonieren die eingestreuten Witze und frechen Kommentare wesentlich besser. In der deutschen Ausgabe wirkt Elsie manchmal etwas zu gewollt witzig. Dennoch gefiel mir die Rolle der selbstbewussten, lebensbejahenden Elsie sehr. Obwohl sie weiß, was die Menschen ihres Gleichen antut, wünscht sie sich nichts mehr als Frieden, für alle.

Die Nebencharakter, also Tom der Truthahn und Shalom das Schwein waren gute Begleiter. Shalom war mir an manchen Stellen zu naiv und starrköpfig. Dennoch harmonierte er mit den anderen beiden, weshalb man über seine Macken gern mal hinweg sehen konnte. Tom ist ein großer Angsthase, der im Moment lebt und nicht wirklich um zwei Ecken denken kann. An manchen Stellen sehr amüsant, an anderen überzogen.

 Spannung gibt es in diesem Buch eher weniger. Aber das macht dem Unterhaltungsfaktor nichts aus.

Und hier kommen wir nun auch zu der Botschaft hinter der Geschichte. Und die kann wohl keiner so gut übermitteln, wie Elsie: “Ich würde nie einem Menschen den Gefallen tun, ihn mit einem Tier zu vergleichen, denn Tiere töten vielleicht, um zu überleben, aber keines von ihnen lebt, um zu töten. Das Recht, ‘Tier’ genannt zu werden, müssen sich die Menschen erst wieder verdienen.”

 Mein Fazit  kann ich kurz halten. Lest es! Nicht um der Unterhaltungswillen, sonder um etwas zu begreifen. Lest diese Geschichte der drei Tiere, die leben wollen. Denkt darüber nach, was uns hier versucht wird zu sagen. Es ist wichtig und endlich an der Zeit, etwas zu ändern.

Flawed-Wie perfekt willst du sein?

 

 

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Autor: Cecelia Ahern
Verlag: FJB
Preis: 18,99 €
Erscheinungsdatum: 29.09.2016
Seitenanzahl: 480 Seiten

Bewertung: ♥♥♥♥♥/5

 

Inhalt

„Flawed“ ist der jüngste Roman der Autorin Cecelia Ahern in dem Genre Jugendbuch, der 2016 im FJB-Verlag erschienen ist.

Die Dystopie spielt in der heutigen Zeit in Irland. Man taucht in die Welt der 17-jährigen Celestine ab. Eine Welt der Extremen, die gespalten ist in perfekte und fehlerhafte Bewohner.

Celestine ist eine junge und starke Persönlichkeit, die mit sich und ihrem Leben mehr als zufrieden ist. Die junge Frau ist schön, beliebt, sehr anpassungsfähig und hat einen attraktiven und humorvollen Freund. Sie kommt aus gutem Hause und ist wohl erzogen. Celestine lebt das perfekte Leben und hatte noch nie etwas  mit Fehlerhaften zu tun. Aus Angst selber fehlerhaft zu werden, meidet sie alles, was damit zu tun hat.

Eines Tages jedoch wird sie mit einer folgenschweren Situation konfrontiert, in der sie zwischen Perfektion und Menschlichkeit entscheiden muss. Eine Entscheidung, die sie geradewegs ins Gefängnis bringt. Sie soll lernen, dass absolut nichts über der Perfektion steht, nicht einmal die Menschlichkeit.

Celestine beginnt das gesamte System zu hinterfragen, denn bereuen kann sie ihre Tat nicht.

Sie begibt sich auf die Suche nach sich selbst, nach ihren eigenen Normen und ihrer Vorstellung von Menschlichkeit. Celestine beginnt dafür zu kämpfen, etwas anderes sein zu dürfen, als perfekt.

Meinung

Die Autorin Cecelia Ahern kenne ich bereits durch ihre Romane, wie „P.S Ich liebe dich“. Da mir diese sehr gefallen haben, war ich nun sehr gespannt auf ihren ersten Jugendroman. Die Beschreibung hatte mich sofort in ihren Bann gezogen. Eine Welt, in der nur perfekte Menschen und perfektes Verhalten toleriert werden, fand ich zu der heutigen Zeit unheimlich spannend. Ich war gespannt, in welche Richtung diese Geschichte gehen würde, mehr noch, wie die Autorin sich mit einem Jugendroman schlägt.

Die Hauptprotagonistin stellte sich schnell als fröhliche, mutige und etwas naive junge Frau heraus. Sie wirkt sympathisch auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden. Celestine ist intelligent und nachdenklich, auch wenn sie sich des Öfteren, meiner Meinung nach, über die falschen Dinge Gedanken macht. Die 17-jährige lebt für die Welt der Zahlen. Das spiegelt sich in ihrem Drang zur Logik wieder. Ihrer Meinung nach, gibt es immer eine logische Lösung für ein Problem. Sie handelt nicht unbedacht, sondern wägt immer ihre Pros und Kontras ab.

Ihre Tat jedoch bringt nicht nur ihre Welt ins Wanken, auch ihr Denken erlebt einen Umbruch. Celestine begibt sich auf eine Reise, auf der sie sich stark entwickelt und reift. Als Leser begleitet man Celestine gern auf diesem Weg.

Die Nebencharaktere haben mir mindestens genau so gut gefallen, wie die Hauptperson. Auch wenn ich mir oft nicht sicher war, wem man trauen kann und wer eigentlich alles auf der bösen Seite steht. Viele der Nebencharaktere durchlebten ebenfalls einen Wandel in der Geschichte und wurden zu starken Persönlichkeiten, die Celestine halfen.

Überzeugt hatte mich Cecelia Ahern bereits nach den ersten Seiten. Ihren fließenden und ehrlichen Schreibstil kannte ich bereits, doch die Spannung und Neugier, war mir neu.

Ich wurde förmlich von dem Buch eingesogen. Schnell war ich ein Teil der Geschichte, was nicht zuletzt an der angenehmen Ich-Perspektive lag.

Obwohl die Spannung erst bei der Hälfte des Buches einsetzte, empfand ich das Buch an keinster Stelle langatmig oder langweilig. Die Autorin gab dem Leser Zeit, um in die Geschichte einzutauchen und das System der „perfekten“ Welt zu verstehen.

Am meisten jedoch hat mich die Botschaft hinter der Geschichte überzeugt.

Wir leben in einer Welt, die immer schneller und besser werden möchte. Eine Welt, die nach Perfektion strebt. Jeder soll das Bestmögliche aus seinem Aussehen herausholen, sowie die letzte Energie produktiv ausschöpfen. Man soll sich frei fühlen und sich selbst finden, während einem gezeigt wird, wie man nicht sein sollte.

Cecelia Ahern hat dies alles ins Extreme gebracht. Gesetze, die dir vorschreiben perfekt zu sein. Eine Gilde, die dich verurteilt, wenn du es nicht bist. Öffentliche Zurschaustellung derer, die es gewagt haben, es nicht zu sein.

Mein Fazit zu diesem Buch ist durchweg positiv. An keiner Stelle war es für mich langweilig oder unrealistisch. Der Schreibstil entführt in die Geschichte nach den ersten Sätzen und lässt einen nicht wieder los, bis zu den letzten. Die Handlung lädt zum nachdenken ein und das sollte man nach dieser Geschichte auch. Die Charaktere sind durchdacht und wirken authentisch. Dieses Buch ist nur zu empfehlen.

Der Blackthorn Code

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Autor: Kevin Sands
Verlag: dtv
Preis: 15,95€
Erscheinungsdatum: 14.10.2016
Seitenanzahl: 327 Seiten

 

Bewertung: ♥♥♥♥♥/5

 

Es ist das Jahr 1665, indem London von mysteriösen Morden heimgesucht wird. Schnell erkennt man ein Muster in der bestialischen Mordserie. Irgendjemand hat es auf die Apotheker dieser Stadt abgesehen. Als die Morde immer engere Kreise durch die Stadt ziehen, beginnt sich der Apothekerlehrling Christopher Rowe Sorgen um sich und seinen Meister zu machen. Der 15 jährige Junge wurde vor drei Jahren von Meister Benedict Blackthorn aus dem Waisenhaus geholt. Er gibt ihm ein Zuhause und eine Zukunft. Meister Blackthorn behandelt seinen Lehrling untypisch respektvoll und gut. Im Gegensatz zu anderen Lehrlingen, wird Christopher nie von seinem Meister misshandelt oder beschimpft.  Stattdessen lehrt der Meister Christopher geduldig und sorgsam das Zubereiten von Heiltränken und das Zusammenmischen von Salben. Doch auch im Entziffern verschiedenster Codes und Rätsel muss sich Christopher seinem Meister gegenüber beweisen. Als Blackthorn jedoch der Gefahr immer näher zu kommen droht, wird Christopher mit dem größten und schwierigsten Geheimnis seines Meisters konfrontiert. Ein Geheimnis, dass die gesamte Welt in den Abgrund führen kann…

Ich habe dieses Buch gelesen und geliebt. Als erstes hatte ich mich voll und ganz in das Cover verliebt. Ich finde diese Aufmachung so schön gestaltete, dass ich es einfach haben musste. In der Hoffnung, dass auch der Inhalt toll sein würde, wartete ich ungeduldig auf das Eintreffen des Buches. Und was soll ich sagen? Ich wurde absolut nicht enttäuscht. Innerhalb weniger Tage hatte ich das Buch durchgelesen. Der Schreibstil ist sehr flüssig und angenehm. Es handelt sich hier nicht um eine anspruchsvolle Sprache, aber sie ist auch nicht zu simpel gehalten. Den Satzbau empfand ich an manchen Stellen überraschend anders, was mir sehr gefiel. Durch die Art des Schreibens, sowie die Kapitelaufteilung, mochte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Ich liebe es, wenn Kapitel kurz gehalten sind und mit Spannung enden. Bei diesem Buch traf das allemal zu. Immer wieder las ich ein Kapitel nach dem anderen, ohne aufhören zu können. Wenn ich nicht gerade die Seiten verschlang, kehrte ich im Alltag immer wieder in Gedanken zu dieser Geschichte zurück. Und plötzlich war das Buch auch schon vorbei. Die gesamte Geschichte empfand ich als sehr stimmig. Es gab viele Elemente der Chemie, die ich unheimlich interessant fand, obwohl ich persönlich der Chemie nie etwas abgewinnen konnte. Die Charaktere waren Zeitgemäß und wirkten sehr authentisch. Ich fühlte mit dem Protagonisten mit und hasste die gleichen Menschen wie er. Die gesamte Geschichte war einfach toll und immer wieder lesenswert.
Alles begann mit einem schönes Cover. Wie sich herausstellte, passte es perfekt zu der Geschichte und spiegelt sich sehr schön wider. Am Ende ist es eine tolle Geschichte, die noch lang in meinem Gedächtnis bleiben wird.

Unser Platz

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Der kleine mir so vertraute See liegt ruhig vor mir. Die sanften Bewegungen des Wassers lassen das Spiegelbild der untergehenden Sonne tanzen. Es war ein schöner Tag. Nein, ich korrigiere mich. Es war ein sonniger Tag. Schön war er nicht.

Ich sitze auf einer alten zerfallenen Bank. Falsch. Ich bin älter als dieses Holzstück und sehe lang nicht so oll aus. Sie ist künstlich gealtert, wirkt schöner in einem Wald. Also sitze ich auf dieser alten, jungen Bank mit dem Blick auf den See.

Ab und an kommen vereinzelnd alte Leute und streitende Familien an mir vorbei. Die schiefhängenden Haussegen sind mir recht. Sie nehmen keine Notiz von mir, oder der Tatsache, dass ich sie sehr gut im Blick habe. Die älteren Herrschaften hingegen interessieren sich sehr für mich. Auffällig spazieren sie an mir vorbei und begutachten mich. Manch einer scheint verunsichert, gar ängstlich schneller an mir vorbei zu schleichen. Ihre Blicke verraten mir, dass sie das Bild von mir verstört. Asozial. Ich sitze allein am Abend im Wald auf einer künstlich gealterten Bank und rauche. Wäre ich alt, würde ich wohl auch denken, dass ich ziemlich asozial aussehe. Um ehrlich zu sein, als ich an einer Gruppe junger Menschen, vorbei kam,  die ebenfalls nur am Wasser saßen und tranken, dachte ich dasselbe. Ich glaube, ich werde mal eine gute alte Frau. Grimmig dreinschauend, gefüllt mit Vorurteilen bis oben hin. Die Jugend heutzutage.

Jetzt allerdings bin ich diese Jugend. Und diese spezielle Jugend ist nicht asozial, sie ist traurig. Ich bin traurig. Und wenn ich traurig bin, rauche ich. Und wenn ich besonders traurig bin, rauche ich eben an unserem Platz. Uns, der Grund meiner Trauer.

Ich weine nicht, weil ich rauche. Beides verträgt sich nicht. Wie wir. Du weinst, ich rauche. Wir tun uns beide schwer aufzuhören.

Obwohl heut ein warmer Tag war, friere ich. Die Hand, die wacker den Stift auf dem Papier tanzen lässt, ist ausgekühlt. Ich spüre es und doch wieder nicht. Gänsehaut hat es sich auf meinem Körper gemütlich gemacht, so wie auch ein paar aufdringliche Mücken. Ich spüre es nicht.

Ein junger Jogger läuft bereits zum dritten Mal an mir vorbei. Er ist schnell, dreht seine Runden um den See in kürzester Zeit. Der Schnellste ist er jedoch nicht. Schneller, viel schneller rasen meine Gedanken. Kaum greifbar kollidieren sie immer wieder mit meinen Gefühlen. Ein gewaltiges Chaos, aus dem ich mich gern entziehen würde.

Ob ein Gehirn wohl auch überhitzen kann? Vielleicht werde ich es im Laufe dieser Nacht noch in Erfahrung bringen.

Die Sonne wirft immer bedachter ihre letzten, kostbaren Strahlen auf die hohen Bäume. Ihre volle Wärme gilt nun einer hochgewachsenen Trauerweide. Sie lässt mich an dich denken. Ob du noch immer weinst? Ich habe aufgehört zu rauchen. Vielleicht ist das unsere Chance. Vielleicht rauchst du gerade. Vielleicht, aber auch nur ganz vielleicht fange ich gleich an zu weinen.

 

Schön, dass du da bist!

Hallo meine Lieben,

nun habe also auch ich einen Blog. Lang hat es gedauert und doch ist es der perfekte Zeitpunkt. Ich bin glücklich, diesen Schritt gewagt zu haben. Und noch glücklicher, wenn ihr diese Zeilen gerade lest. Mein Blog steckt noch in den Kinderschuhen und so ist er noch lang nicht perfekt. Aber das bin auch ich nicht. Ich hoffe, ihr verzeiht mir die eine oder andere Unstimmigkeit.

Die meisten von euch kenne ich wohl von Instagram und so freut es mich sehr, solch liebe Menschen hier willkommen zu heißen.

In den letzten Tagen begann ich nach langer Zeit wieder mit dem kreativen Schreiben und ich habe gemerkt, wie wichtig es mir ist. Vor allem aber, tut es mir gut. Es sind Gedanken, Gefühle. Realität, Fiktion. Geschichten, Leben. Ich möchte alledem endlich einen Ort geben, ein Heim. Ich weiß nicht, was die Zukunft noch bringt und möchte dieser Seite keine Richtung vorgeben. Für den Moment möchte ich aber einfach nur Schreiben. Und es würde mich freuen, wenn ich mit euch in Kontakt treten könnte. Schreibt mir gern, wenn ihr möchtet. Kommentare, Fragen oder Kritik.

Jetzt heiße ich euch aber erst einmal herzlich Willkommen in meiner Gedankenwelt 🙂

Michelle